Meine Tasse…
Heute saß ich mal wieder in meinem schonmal erwähnten Lieblingsrestaurant und hatte einen Espresso der Spitzenklasse vor mir.
Wer mich kennt, weiß, dass ich oft gedankenverloren irgendein Getränk umrühre, so auch heute…
Als ich so in die mit schwarzer Flüssigkeit gefüllte Tasse schaue und sehe, wie der kleine Löffel so seine Runden kreist, wurde mir klar, dass sich das Leben im Grunde auf genau diese Tasse reduzieren lässt. Wir sind eingesperrt in ein Gefäß, das wir ohne äußere Hilfe nicht verlassen können, aus dem wir nur nach oben in die unerreichbaren Weiten schauen können. Unser Leben dreht monoton seine Kreise und irgendwann ist es kalt und verdunstet langsam.
Mal geht es hoch, dann wieder runter, mal nach links und mal nach rechts und selbst wenn wir uns spontan entscheiden, uns mal andersherum zu drehen, haben sich nach drei Umdrehungen die Wellen wieder gelegt.
Auch die anfängliche Spannung legt sich irgendwann, man gewöhnt sich an das Auf und Ab und die kleinen Wellen in der Tasse. Aber trotzdem können wir nicht aufhören mit Umrühren, wir drehen wie im Bann, ohne zu wissen, wofür eigentlich. Wir kommen immer tiefer in diesen ewigen Kreislauf, diese Spirale, diesen Teufelskreis der Monotonie, ohne uns irgendwie wehren zu können. Kein Wunder, dass wir Menschen so egoistisch, egozentrisch, negativ und depressiv sind. Eigentlich sollten wir was anderes tun, als in unserer Tasse zu hocken und uns zu drehen, eigentlich sollten wir frei sein, vor allem frei im Kopf. Stattdessen verklemmen wir immer mehr, kreisen um Probleme, die nicht aufhören können, weil sie die Existenzerechtigung unseres Lebens sind. Wir leben für die Probleme, die wir uns selbst erschaffen, damit wir leben können. Und je öfter wir umrühren, desto tiefer sind wir in diesem Bann gefangen.
Eigentlich wollen wir diese Tasse nur in die Ecke pfeffern, auf sie schimpfen, auf ihr rumtreten vor lauter Wut auf das, was sie uns angetan hat mit ihrer ewigen Monotonie, doch wir können nicht…warum? Warum können wir nicht frei sein? Warum wollen wir nicht frei sein?
Es ist ein ewiger Kreislauf, jeder Mensch in seiner ganz privaten Tasse. Und selbst wenn mal ein bisschen Zucker reinkommt – der löst sich eh irgendwann auf…
“Darf ich Ihnen noch etwas bringen?”
“Ja, einen Espresso nochmal. Danke…”


Aber der Zucker hinterlässt etwas bleibendes, was nicht wieder geht